Alles ist Schwingung, alles ist Frequenz. Das wissen und spüren wir – und die moderne Physik bestätigt es. Was hat es dann mit 432Hz oder den sog. Solfeggio-Frequenzen auf sich? Es gibt Tabellen für sog. Heilfrequenz mit Aussagen wie ‚528 Hz heilt“, “432 Hz gut fürs Herz“, “396 Hz löst Ängste“, “741 Hz reinigt“ und so weiter… Das klingt wunderbar – ist aber irreführend.
Eine elektrisch erzeugte Frequenz und das, was wir bei Menschen ‚Schwingung‘ nennen, ist nicht das Gleiche. Und 528 Hz-Musik enthält tatsächlich nur wenig 528Hz. Trotzdem spricht etwas für 432 Hz als Instrumentenstimmung. Aber der Reihe nach.
Eine Frequenz bedeutet physikalisch: Schwingungen pro Sekunde. Die Einheit ist Hertz ≈ Hz. Ein Ton von 432Hz schwingt 432 mal pro Sekunde. Oft ist zu lesen, böse Mächte hätten den Kammerton von 432 auf 440 Hz festgelegt, eine Schwingung, die uns nicht gut tut. Was ist da dran?
Der Kammerton ist der Referenz-Ton auf den Orchester-Musiker ihre Instrumente stimmen. Gängige Instrumente sind so gestimmt, dass ein sog. eingestrichenes ‚a‘ exakt mit 440Hz schwingt. Den Ton kennen die Älteren noch von früher, das war nämlich auch das Freizeichen im Telefon. Wer seine Gitarre stimmen wollte und keine Stimmgabel zur Hand hatte, konnte einfach den Hörer abnehmen und sich so ein sauberes ‚a‘ holen.
Früher hatten verschiedene Länder und Orchester ihre eigene Stimmung – von 390Hz bis 460Hz. Das war problematisch, wenn man zusammen spielen wollte. Aber vor allem problematisch für die Hersteller von Musikinstrumenten. Sie wünschten sich einen einheitlichen Standard. Verdi war ein großer Verfechter von 432Hz. Andere wollten 450Hz – da klingt alles brillanter. Aber dann werden für die Sänger hohe Passagen schwieriger. Man einigte sich 1955 auf 440Hz.
Warum sagen viele, 432Hz sei natürlicher? Weil es mathematisch schöner ist. Bei 432Hz für das ‚a‘ hat das darunterliegende ‚c‘ die Frequenz von 256,87Hz. Das ist sehr nahe an 256Hz. Das besondere an dieser Zahl? Durch Zweiteilung komme ich sauber auf eine 1. Warum Zweiteilung? Weil eine tiefere Oktave immer genau die halbe Schwingungszahl hat. Bei einer Skala die auf 432Hz basiert bekomme ich also (mit der leichten Abrundung) auf folgende Frequenzen für die Töne C:
256 > 128 > 64 > 32 > 16 > 8 > 4 > 2 > 1
Diese Reihe kennen wir aus der binären Computerwelt (32 oder 64 Bit). Das C mit 64Hz könnten wir als sehr tiefen Ton noch hören, die 32Hz sind noch spürbar. Alles darunter ist nicht mehr hörbar. Kein Instrument könnte ein ultra-tiefes C mit 1 Hz produzieren oder wiedergeben. Aber eine Tonskala die theoretisch mit einer sauberen 1 beginnt, wirkt mathematisch natürlicher.
Klingt Musik mit 432Hz nun harmonischer? Vielleicht. Aber sobald musiziert wird, hörst du ein sehr komplexes Gemisch aus Frequenzen. Der reine Ton klingt so wie das Freizeichen: starr und eher unangenehm. Jeder natürlich erzeugte Ton hat noch Obertöne und Geräuschfrequenzen. Dann ist es kein Ton mehr sondern ein komplexer Klang.
Was ist Musik die auf 528Hz basiert? 528Hz ist ein recht hoher Ton den die meisten nicht als entspannend erleben dürften. Es wird eine untere Oktave zu 528Hz genommen und zu diesem Grundton kommen dann Akkorde, meist mit Synthesizer eingespielt. Das Ergebnis ist ein elektrisch erzeugtes und sehr komplexes Frequenzgemisch, in dem alles mögliche enthalten ist, darunter AUCH ein bißchen 528Hz. Ob das dann besonders natürlich ist und „heilt“, mag jeder selbst beurteilen.
Und Solfeggio? Die Silben dazu kommen aus dem Mittelalter: Do – Re – Mi – Fa – Sol – La – Si. Das waren Tonbezeichnungen für den Gesangsunterricht. In Frankreich heißen sie noch so. Wir kennen das als C-D-E-F-G-A-H. Damals waren keine bestimmten Frequenzen damit verbunden.
Die These mit den Heilfrequenzen hat erst der Esoteriker Joseph Puelo in den 70er Jahren aufgebracht. Puelo nahm Zahlen, deren Quersummen 3, 6 oder 9 ergeben (417 ≈ 4+1+7 = 12 ≈ 3). Das ist im pythagoräischen Sinne harmonikal befriedigend. Die Natur ist voller solcher ‚runden‘ Zahlenverhältnisse. Also ja, 396, 417 usw. sind schöne Zahlen. Aber als reine Frequenz, als Ton – sagen sie noch nichts aus.
Denn – und jetzt kommt das Wesentliche – jede Frequenz ist zunächst neutral, ein reines Trägersignal. Entscheidend ist, was mit welcher Intention (oder Absichtslosigkeit) auf dieser Frequenz transportiert wird. Wir kennen das aus der Musik. Zwei Sänger singen den „gleichen“ Ton. Der eine berührt uns, der andere nicht.
Warum? Weil jeder Klang ein Frequenzgemisch aus Grundton, Obertönen und Geräuschanteilen ist. Klang ist deutlich mehr und komplexer als Ton / Frequenz.
Klang ist Farbe, Obertonspektrum, Amplitude, Druck, Raum, Richtung, Körper und Einschwing- und Ausschwingverhalten, Nachhall. Vor allem: Klang ist innere Haltung, Intention, Emotion.
Klang ist auch Beziehung zwischen Sender, Instrument, Raum und Empfänger. Wie viel davon ist in synthetisch erzeugter Musik enthalten, die du auf YouTube hörst? Und wie viel wenn jemand für dich live singt oder einen Gong spielt? DA ist die Magie! In dem, was Musik transportiert. Nicht in den messbaren Frequenzen. Deine eigene Stimme oder jede Klangschale hat 1000 mal mehr Ausdruck als ein elektrisch erzeugter Ton mit 432Hz.







