Vor vielen Jahren wurde ich an einer engen Stelle im Stadtverkehr von einem Autofahrer massiv bedrängt und schließlich blockiert. Er stieg aus und schrie mich an: „Du Idiot!!“
Hat mich das beleidigt?
Nein. Ich habe mich nur gewundert, wie jemand so austicken kann. Allerdings wollte ich sein gefährliches Verhalten aus Prinzip nicht durchgehen lassen und erstattete Anzeige. Er wurde vor Gericht wegen Beleidigung verurteilt – obwohl ich mich nicht beleidigt gefühlt hatte. Das Gesetz braucht Eindeutigkeit. In Wirklichkeit ist Kommunikation selten eindeutig.
Wenn dich jemand mit komischen Namen belegt, gibt es viele mögliche Reaktionen:
Ignorieren, amüsiert, empört, beleidigt, gekränkt, Verachtung, Mitgefühl uvm
Ob es für dich eine Beleidigung ist, entscheidest Du. So ist es mit fast allen Handlungen oder Worten anderer. Welchen Wert wir ihnen beimessen, liegt ganz in uns.
Streng genommen gilt das auch für Körperkontakt, denn auch einen Kuss oder Fausthieb kann ich so oder so empfinden. Aber ich will hier nicht Gewalttäter aus der Verantwortung nehmen, sondern über Beziehungen und Eigenverantwortung sprechen.
Eigenverantwortung müssen wir nicht anstreben – sie ist unausweichlich. Es ist nur die Frage, ob wir uns das eingestehen. Oder immer mit dem Finger auf andere zeigen.
Für mein subjektives Erleben bin ganz allein ich verantwortlich. Und das Gegenüber ist für sein Erleben verantwortlich.
Jeder singt sein Lied. Ob es den anderen gefällt, ist weder Sache des Sängers noch des Lieds.
Das soll kein Freibrief, sein, sich aufzuführen wie die Axt im Walde. Oder anderen vorsätzlich weh zu tun. Wir dürfen uns schon um respektvolle Kommunikation bemühen. Und wissen: Alles, was wir anderen antun, tun wir auch uns selbst an.
Die erste Instanz ist unser eigener Körper. Wer andere anschreit, schreit vor allem sich selbst an. Denn diese harte Schwingung und brutale Frequenz geht zuerst durch den Körper des Absenders bevor sie raus geht. Andere können deiner negativen Energie ausweichen. Du selbst nicht.
Letztlich fällt alles auf uns zurück. Wer sich immer unsensibel und rücksichtslos verhält, wird irgendwann nicht mehr viele Freunde haben. Die Konsequenzen unseres Denkens und Handelns landen immer bei uns. Darum am besten nur Liebe und Freude aussenden.
Eigenverantwortung heißt für mich: Wenn andere was komisches machen oder sagen, nehm ich mir die Freiheit, zu entscheiden, ob und wie ich darauf reagieren möchte. Wenn der Trigger schneller war als mein Bewusstsein, schau ich mir meine Reaktion liebevoll an und schaue, was ein angemessener Ausdruck dafür ist.
Wenn ich mich äußere, folge ich meinen Impulsen – und nicht dem Wunsch nach Anerkennung. Wenn eine bestimmte Reaktion häufig kommt, nehme ich sie als Spiegel und sag danke. Aber ich bleibe frei von den Reaktionen anderer. Sie gehören zu ihnen, nicht zu mir.







